Unser Atem
Der Atem verbindet alle Lebewesen mit der Welt.
Unsere Nase lässt somit die Außenwelt zu uns hinein. Riechen
können bedeutet z. B., einen guten Instinkt zu haben. Ein gestörter
Geruchsinn lässt uns Gefahr laufen, die Orien-tierung zu verlieren
oder eine Situation falsch einzu-schätzen. "Er hat einen
guten Riecher" oder "Es liegt was in der Luft, man kann
es förmlich riechen" sagt der Volksmund.
Die Atmung sichert unser Überleben, indem
wir Kohlen-dioxid abgeben und Sauerstoff aufnehmen. Ein gesunder Organismus
regelt die Atemtätigkeit im Wesentlichen über einen CO2-Anstieg
im Blut. Der Körper will diesen "Abfall" los werden
und so atmen wir aus, dann folgt die Einatmung des Sauerstoffs.
Körperbewegung ist sichtbar gemachter Atem.
Die Atmung steuert unsere Bewegung, der Brustkorb weitet sich, die
Wirbelsäule und die Rippen werden in die Bewegung ein-bezogen,
das Zwerchfell, der größte Atemmuskel, massiert die inneren
Organe. Die Atmung beeinflusst auch die Körper-flüssigkeiten
wie Blut, Lymphe, Gehirnwasser, Augen-wasser, Ohrlymphe usw. Je flacher
wir atmen, desto bewegungsloser sind wir.
Unser Atem ist Bewusstsein und das Bewusstsein
steuert unsere Bewegung, geistig und körperlich. So wie wir denken,
so atmen wir, so wie wir atmen, so denken wir.
Unsere Stimme hängt u.a. von der Qualität
der Zwerchfellatmung ab. Je entspannter und lockerer unser
Zwerchfell ist, desto tiefer die Atmung. Je besser man ausatmet, desto
tiefer atmet man ein!!!
Der normale "zivilisierte" Mensch ist meist
sehr gestresst, d.h. sein vegetatives Nervensystem ist permanent
überreizt, wir sind quasi ständig auf der Flucht, und ein
Überschuss an Adrenalin, einem Stresshormon, sorgt dafür,
dass es weiter überreizt bleibt. Eine Folge ist eine flache Atmung,
dies lässt uns übersäuern, das Zwerchfell blockiert
und als Folge kann es zu allen möglichen Beschwerden bei der
Verdauung kommen.
Leider trägt unsere sogenannte "Zivilisationskost"
noch dazu bei. Durch die denaturierten Nahrungsmittel nimmt
u.a. die Verschleimung und Kurzatmigkeit zu, wodurch wiederum der
Gasaustausch beeinträchtigt ist. Eine gesunde Ernähr-ung
mit natürlichen Lebensmitteln unterstützt den Gasaus-tausch,
der eingeatmete Sauerstoff kann vom Organismus optimal verwertet werden.
Der normale Atem ist rhythmisch. Die Einatmung
ist schneller und intensiver, die Ausatmung langsamer und länger.
Der rhythmisch unterbrochene Atemvorgang zählt zu den Basisübungen
der Atemkunst. Es ist die Grundvor-aussetzung für die Erweiterung
des Atems, bzw. des Be-wusstseins. Das Verhältnis von Einatmung
zu Ausatmung ist 2:3, jeweils von einer kleinen Pause nach dem Ein-
und Ausatmen unterbrochen.
2 Zähleinheiten ein, kleine Pause,
3 Zähleinheiten aus, kleine Pause.
Sich des Atems bewusst zu werden ist eine Möglichkeit,
im gegenwärtigen Augenblick anzukommen. Thich Nhat Hanh
Hier eine einfache Atemübung:
Unseren Atem wahrnehmen.
Eine bequeme Haltung einnehmen, z.B. auf einem Stuhl, so dass die
beiden Sitzhöcker zu spüren sind. Die Füße
flach auf den Boden, die Hände locker auf die Oberschenkel
legen, die Wirbelsäule ist aufgerichtet. Augen schließen,
sie können auch leicht geöffnet bleiben, dabei den Blick
senken. Die Lippen sind sanft geschlossen, die Zunge am Mund-boden,
die Kiefer entspannt. Die Haltung sollte angenehm und bequem sein.
Die Aufmerksamkeit auf die Gegenwart bringen. Auf mögliche
Geräusche hören, dann langsam die Aufmerksamkeit auf den
Körper lenken, auf evtl. Körperempfindungen oder mögliche
Spannungen achten.
Nun langsam die Aufmerksamkeit auf den Atem richten, ohne ihn zu
lenken oder zu verändern. Versuche zu erfahren, wie der Atem
sich in seinen ganz eigenen Rhythmus atmet. Spüre den Atem
langsam in die Nase einströmen und wieder ausströmen,
ohne jegliche Anstrengung. Versuche, ganz in der Gegenwart zu bleiben.
Bald werden sich Gedanken einstellen. Der Verstand beschäftigt
sich mit der Vergangenheit oder mit der Zukunft. Sanft die Aufmerksamkeit
wieder auf die Atmung lenken, die Gedanken beobachten und dann vorbeiziehen
lassen, wie die Wolken am Himmel. Das nächste Einatmen oder
Aus-atmen wahrnehmen. Beim Einatmen kann auch ein "ein"
und beim Ausatmen "aus" in Gedanken gesagt werden, aber
nicht zu sehr auf die Worte achten, die Aufmerksamkeit bleibt beim
Atem.
Viel Spaß beim Ausprobieren und Üben.
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